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Gesichtsschädel-Verletzungen

 

Die Diagnostik und Therapie von Weichteilverletzungen des Gesichtes und Frakturen des Gesichtsschädels wurde in den letzten 25 Jahren entscheidend weiterentwickelt. Früher war der Mund-Kiefer-Gesichtschirurg diagnostisch ausschließlich auf die klinische Untersuchung sowie seine eigene Erfahrung angewiesen. Die klinischen Befunde konnten oftmals nur durch konventionelle Schädelaufnahmen in 2 Ebenen ergänzt werden. Frakturen im Bereich der Augenhöhle und der Nasennebenhöhlen entgingen aufgrund der papierdünnen Knochenlamellen nicht selten auch einer sorgfältiger Untersuchungstechnik, sie wurden oftmals keiner Therapie zugeführt.

 

Bildgebung
Heute gibt es mit der Computertomographie (CT) und mit der Digitalen Volumentomographie (DVT) neue Möglichkeiten, knöcherne Verletzungen im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich sichtbar zu machen (Abbildung 1). Anhand der im CT oder im DVT gewonnenen Daten können auch komplexe Verletzungsmuster im Vorfeld des operativen Eingriffs detailliert geplant werden. So kann z.B. zum Schutz des Sehnerven (N. opticus) eine Rekonstruktion des Augenhöhlenbodens mit Hilfe einer „Echt-Zeit“- Navigation durchgeführt werden (siehe dort).

 

Doppelte Unterkieferfraktur im 3D CT

 

Chirurgischer Zugang
Um postoperative Narben im Gesicht zu vermeiden, werden heutzutage Zugänge zu den knöchernen Verletzungen gesucht, die im nicht-sichtbaren Bereich liegen. So kann man einen großen Teil des Mittelgesichts über eine Schnittführung in der Mundhöhle erreichen. Verletzungen der Augenhöhle werden über Zugangswege im Oberlid bzw. über die Konjunktiva (Bindehaut) des Auges erreicht. Bei komplexen Verletzungen z.B. mit Beteiligung des Stirnbeins wählt man den so genannten bikoronaren Zugang im Bereich der behaarten Kopfhaut.
Der Unterkiefer wird ebenfalls über Schnittführungen in der Mundhöhle erreicht. Dort, wo die Übersicht fehlt, wie z.B. im Bereich des Kiefergelenkes, kann ein Endoskop die nötige Übersicht verschaffen.

 

Osteosyntheseverfahren
Durch Anwendung moderner Werkstoffe wie z.B. das Titan wird bei der Stabilisierung der Frakturen eine hervorragende Biokompatibilität erreicht. Durch die Miniaturisierung der Osteosyntheseplatten besteht des Weiteren die Möglichkeit, kleinste Knochenfragmente zu Stabilisieren. Die Entwicklung feinster Gitter aus Titan ermöglicht die Rekonstruktion auch kritischer Bereiche wie der Augenhöhle. Winkelbohrer und Winkelschraubendreher bieten zudem die Möglichkeit ohne äußere Narben anatomische Strukturen zu erreichen und operativ zu versorgen, welche früher „von Außen“ versorgt werden mussten.

 

Knochentransplantate
Dort wo Knochen verloren gegangen ist, kann eine Rekonstruktion mit körpereigenem Knochen erfolgen. Entnahmegebiet ist bei Verletzungen im knöchernen Gesichtsschädel typischerweise der äußere Bereich des Schädels (Tabula externa). Hiermit kann z.B. der Augenhöhlenboden navigationsgestützt rekonstruiert werden.

 

Zusammenarbeit
Um eine optimale Versorgung unserer Patienten zu gewährleisten, ist es unabdingbar mit Kollegen verschiedenster Fachdisziplinen zusammenzuarbeiten. Da schwerstverletzte Patienten häufig Verletzungen mehrerer Organsysteme aufweisen, erfolgt daher eine interdisziplinäre Zusammenarbeit. So werden z.B. komplexe Verletzungen des Schädels zusammen mit den Kollegen der Neurochirurgie, der Augenheilkunde und der Unfallchirurgie behandelt, da neben Verletzungen im Gesichtsschädel auch ein Schädel-Hirn-Trauma und Verletzungen der Halswirbelsäule vorliegen können.

Diese entscheidenden Fortschritte im Bereich der Gesichtsschädelverletzungen haben sich allesamt im Laufe der letzten drei Jahrzehnte entwickelt und die Therapie in dramatischer Weise beeinflusst. Sie ermöglichen nicht nur bessere postoperative Resultate, sondern tragen auch maßgeblich zur Sicherheit der chirurgischen Verfahren und zur Lebensqualität des Patienten bei. Die Entwicklung dieser aufwändigen und komplexen Behandlungsstrategien steht zweifellos im Gegensatz zur finanziell angespannten gesundheitspolitischen Situation, der sich das gesamte Gesundheitswesen ausgesetzt sieht. Der erhöhte Kostenaufwand moderner Diagnostik- und Therapieverfahren wird jedoch durch eine Verbesserung der Lebensqualität des Patienten und dessen schnelle Rehabilitation mit früherem Wiedereinstieg ins Berufsleben in erster Linie menschlich und auch auf volkswirtschaftlicher Ebene kompensiert.

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