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Dentoalveoläre Chirurgie

Die Erstuntersuchung aller Patienten der Zahn-, Mund- und Kieferklinik erfolgt in der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. In Abhängigkeit der Diagnose werden die Patienten anschließend zur Weiterbehandlung in die entsprechenden Abteilungen der Klinik überwiesen.

Die dentoalveoläre Chirurgie umfasst insbesondere Zahnextraktionen, Osteotomien retinierter und verlagerter Zähne, autogene Zahnkeimtransplantationen, Freilegungen retinierter Zähne zur anschließenden kieferorthopädischen Einordnung in den Zahnbogen, Wurzelspitzenresektionen, Zystenoperationen, die dentoalveoläre Traumatologie und auch die dentale Implantologie mit ggf. präimplantologischen Knochentransplantationen aus verschiedenen Spenderarealen zur Alveolarkammerhöhung oder Sinusliftoperation.

Die am häufigsten retinierten und verlagerten Zähne sind die Weisheitszähne. In der Literatur werden Zahlen von 17 bis 32% angegeben.

 

 

Eine chirurgische Weisheitszahnentfernung kann nach oftmals zuvor abgelaufenen Infektionen oder Beschwerden erfolgen. Die Indikation kann besser aber prophylaktisch zur Sicherung eines dauerhaften Therapieerfolges z.B. der kieferorthopädischen Behandlung und zur Vermeidung von Komplikationen bei Belassen der retinierten Zähne gestellt werden. Zu den möglichen Komplikationen bei Belassen der verlagerten Zähne gehören entzündliche Durchbruchsprobleme (dentitio difficilis), die Zystenbildung, die Parodontitis und die erhöhte Gefahr der Kariesentstehung am davor liegenden Zahn.
Der günstigste Zeitpunkt zur Entfernung retinierter Zähne ist das Jugendalter, da das Wurzelwachstum dann noch nicht vollständig abgeschlossen ist. In höherem Alter kann es unter anderem zur Ankylosierung, d.h. Verwachsung des Zahnes mit dem umgebenden Knochen kommen und somit dann zu einer erschwerten Entfernung des Zahnes.
In der Regel ist ein zweidimensionales Röntgenbild (OPG) zur Lagebeurteilung des Zahnes und seiner Beziehung zu den Nachbarstrukturen ausreichend. Bei ausgedehnten pathologischen Prozessen und komplizierten Verlagerungen besteht in unserer Abteilung jedoch die Möglichkeit, ein DVT (Digitale Volumentomographie) durchzuführen. Dies ist eine Möglichkeit, die Lage des retinierten Zahnes dreidimensional zu beurteilen, mit einer deutlich geringeren Strahlenbelastung als beim üblichen CT.

Ein weiterer Aspekt der dentoalveolären Chirurgie ist die autogene Zahnkeimtransplantation, die eine hohe Erfolgssicherheit aufweist, sofern die Indikation und der Zeitpunkt der Zahntransplantation richtig gewählt werden. Bevorzugt werden Weisheitszahnkeime zum Ersatz frühzeitig zerstörter Molaren gewählt. Die beste Prognose besteht, wenn zum Zeitpunkt der Transplantation das Wurzelwachstum des zu transplantierenden Zahns erst zu etwa zwei Dritteln abgeschlossen ist. Nicht mehr erfolgsversprechend sind Zahntransplantationen, wenn das Wurzelwachstum bereits vollständig abgeschlossen ist. In diesen Fällen wird in unserer Klinik der Implantatinsertion der Vorzug gegeben.

Einen weiteren Schwerpunkt im Spektrum der dentoalveolären Chirurgie nimmt die Wurzelspitzenresktion ein. Die Hauptindikation ist die apikale Beherdung von Zähnen, die allein durch die konventionelle Wurzelkanalbehandlung nicht zu erhalten sind. Es werden das periapikale pathologische Gewebe und der apikale Wurzelabschnitt entfernt. Das Ziel dieses Eingriffs ist es, einen bakteriendichten Kanalabschluss am Resektionsquerschnitt zu erreichen. Je nach Suffizienz der bestehenden Wurzelfüllung kann nach der Wurzelspitzenresektion eine retrograde Füllung durchgeführt werden. Wir verwenden seit vielen Jahren ein Füllmaterial auf Polyketon-Basis (Diaket), welches sich durch sehr gute Gewebeverträglichkeit, Volumenkonstanz bei Feuchtigkeitszutritt und gute Abschlussdichtigkeit sowie antibakterielle Wirkung auszeichnet.
Vor allem im Frontzahnbereich können Wurzelspitzenresektionen mit einer hohen Erfolgswahrscheinlichkeit durchgeführt werden. Aber auch an den mehrwurzeligen Seitenzähnen ist es möglich, diesen Eingriff durchzuführen. Allerdings ist das chirurgische Vorgehen aufwändiger und der Erfolg im Einzelfall schwieriger zu prognostizieren. Differentialtherapeutisch muss hier gegebenenfalls auch frühzeitig die Alternative eines Zahnimplantates geprüft werden.

Einen weiteren Bereich der dentoalveolären Chirurgie nimmt die Therapie von Zysten ein. Eine Zyste ist definiert als ein pathologischer, mit Flüssigkeit gefüllter Hohlraum. Zysten sind im Knochen oder im Weichgewebe lokalisiert und von unterschiedlicher Genese. Die Mehrzahl der im Kiefer auftretenden Zysten entwickelt sich aus den Geweben des Zahnsystems (odontogene Zysten). Sie werden unterschieden von den nicht odontogenen Zysten. Die Therapie kleinerer Zysten erfolgt in unserer Klinik mit einer Zystektomie in Lokalanästhesie. Hierbei wird die Zyste im Ganzen entfernt und histopathologisch untersucht.

 

 

 

Bei der Therapie größerer Zysten kann vor der Zystektomie zunächst eine Zystostomie erfolgen, bei der nur eine Wand der Zyste reseziert und der Hohlraum zu einer Nebenbucht der Mundhöhle gemacht wird, welcher sich langsam verkleinert.
In einem zweiten Eingriff wird dann erst die Zystektomie durchgeführt. Nach Entfernung des Zystenbalges wird die Knochenhöhle mit körpereigener Spongiosa zum Beispiel vom Beckenkamm aufgefüllt. Dieses erfolgt in der Regel unter stationären Bedingungen.

Die präprothetische Chirurgie hat sich im Laufe der letzten Jahre stark gewandelt. Die Entfernung eines Schlotterkamms oder einer Exostose (Knochenvorsprung) wie der Torus palatinus oder mandibularis ist ein Bestandteil der dentoalveolären Chirurgie.
Eine Verbesserung des Prothesenhaltes kann heute in vielen Fällen und verlässlich durch den Einsatz von dentalen Implantaten erzielt werden. Im Einzelfall kann es notwendig sein, um überhaupt ein Implantat setzen zu können, zunächst das Knochenangebot an der in Frage kommenden Stelle des Kieferkamms zu vermehren. Dafür kann körpereigener Knochen je nach erforderlicher Menge entweder im Kieferbereich oder selten aber auch aus entfernteren Körperregionen gewonnen werden. Implantatgetragener Zahnersatz stellt sowohl im Rahmen der Totalprothetik als auch bei Einzelzahnlücken eine hervorragende Alternative zum konventionellen Zahnersatz dar.
In unserer Klinik besteht eine spezielle Implantatsprechstunde, in der die Patienten z.B. in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Zahnärztliche Prothetik beraten und behandelt werden. Auf spezielle Aspekte bezüglich der Implantologie wird unter Implantat-Sprechstunde näher eingegangen.

Seit einigen Jahren gehört auch das Einbringen von skelettalen, d.h. im Knochen verankerten kieferorthopädischen Verankerungselementen zum Operationsspektrum der Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Es handelt sich hierbei um unkompliziert im Seitenzahnbereich einzubringende temporäre Verankerungen (Schrauben oder Platten), die für kieferorthopädische Zahnbewegungen eingesetzt werden. Sie können u. a. dem Patienten aufwändige extraoral zu tragende Apparaturen wie z.B. einen Headgear ersparen. Das Einbringen und Entfernen der Verankerungselemente kann problemlos in Lokalanästhesie ambulant durchgeführt werden. Die Planung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Kieferorthopädie der Medizinischen Hochschule Hannover oder den überweisenden niedergelassenen Kieferorthopäden.

Die dentoalveoläre Traumatologie nimmt einen hohen Stellenwert in der Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie ein. Durch Unfälle total- oder subluxierte Zähne bzw. Knochenfragmente werden in Lokalanästhesie reponiert und geschient. Dabei wird eine Draht-Mesh-Schiene mittels Säureätztechnik ohne Traumatisierung des Parodonts mit Kunststoff an den vestibulären Flächen der luxierten Zähne und der Nachbarzähne befestigt. Dadurch kann eine sichere Schienung garantiert werden, die eine adäquate Mundhygiene weiterhin zulässt. Die Weiterbehandlung der luxierten Zähne erfolgt in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit der Abteilung für Zahnerhaltung.

 

 

 

Einen mittlerweile überdurchschnittlich großen Anteil am Patientenaufkommen in unserer Klinik stellen Risikopatienten dar. Das sind all jene Patienten, bei denen man aufgrund der allgemeinen Anamnese von einem erhöhten Komplikationsrisiko ausgehen muss. Dazu gehören zum Beispiel Patienten mit ausgeprägten Herzerkrankungen, bei denen nach Indikationsstellung und internistischen Voruntersuchungen notwendige Therapien unter anästhesiologischer Kontrolle (Stand by) durchgeführt werden. Wenn auch in der Regel diese Eingriffe ohne irgendwelche Zwischenfälle mit vitaler Gefährdung verlaufen, kann doch zumindest dem Patienten durch die Anwesenheit von notfallgeschulten Ärzten ein sicheres Gefühl vermittelt werden.
Weiterhin stellen sich viele Patienten mit Gerinnungsstörungen zur chirurgischen Therapie in unserer Poliklinik vor. In diesen Fällen erfolgt die Therapie je nach Art der Gerinnungsstörung in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Internisten bzw. dem Hausarzt oder mit der Gerinnungsabmulanz der Medizinischen Hochschule Hannover.

In der Poliklinik steht ein spezielles Anästhesieteam zur Verfügung, mit dem wir zahnärztlich-chirurgische Eingriffe unter ambulanten Bedingungen auch in Vollnarkose durchführen können. Bei schwierigen Eingriffen ist es nach strenger Indikationsstellung möglich, umfangreiche Eingriffe in Intubationsnarkose durchzuführen.

Neben der zahnärztlichen Chirurgie und der Neuaufnahme werden noch mehrere Sprechstunden in der Poliklinik abgehalten.

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