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Fetale Stammzellen - Nabelschnurblut

 

 

 

Das Thema "fetale Stammzellen - Nabelschnurblut" wird in den letzten Jahren zunehmend aktiv durch die Medienarbeit privater Dienstleistungsunternehmen in die öffentliche Diskussion gebracht. Da unseres Erachtens in der Beantwortung der Frage, ob das Einfrieren von unmittelbar nach der Geburt aus der Placenta gewonnenem Nabelschnurblut für das individuelle werdende Elternpaar Sinn macht oder nicht, eine Fülle von Miß- bzw. Fehlverständnissen die Diskussion beherrschen, hat sich die Frauenklinik der MHH gemeinsam mit der Klinik für Hämatologie/Onkologie und der Klinik für pädiatrische Onkologie entschlossen, eine gemeinsame Stellungnahme zu diesem Thema zu erarbeiten.

 

Dabei ist das Ziel dieser Stellungnahme, die die nach dem neuesten Stand der medizinischen Entwicklung tatsächlichen Möglichkeiten und Grenzen der Nutzung von fetalem Nabelschnurblut präzise und damit emotionsfrei darzustellen

 Dieses Informationsschreiben können Sie hier auch als PDF-File herunterladen:

 

 

Gemeinsame Stellungnahme

- Frauenklink

- Kinderklinik

- Internistische Onkologie

 

der Medizinischen Hochschule Hannover

 

zum Thema

 

FETALE STAMMZELLEN - NABELSCHNURBLUT

 

Liebe werdende Eltern,

 

durch die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten der modernen Medizin ist es in den letzten Jahrzehnten gelungen, mit einer Schwangerschaft in Verbindung stehende gesundheitliche Risiken für Mutter und Kind auf ein noch nie erreichtes Minimum zu reduzieren. Das am Ende einer Schwangerschaft stehende gesunde Kind ist in der gesellschaftlichen Wahrnehmung zur Normalität geworden. Nach einem möglichst optimalen Start in das Leben ist es das natürliche Bestreben der jungen Eltern, für ihr Kind umfassende Vorsorge, auch und gerade in gesundheitlichen Belangen, zu betreiben.

 

Während in früheren Jahren neben einer gesunden, ausgewogenen Ernährung und reichlich körperlicher

Bewegung die Wahrnehmung eines ausgeklügelten Schutzimpfungsprogrammes hierfür die Grundsäulen

und damit die Garanten kindlicher Gesundheit darstellten, hat sich in den letzten Jahren durch die

Fortschritte in der Grundlagenforschung an menschlichem Blut eine mögliche weitere Quelle

gesundheitlicher Vorsorge eröffnet: Es handelt sich hierbei um die Option, das fetale Blut der Nabelschnur

mit den darin enthaltenen sogenannten pluripotenten Stammzellen zu gewinnen und nach einem

entsprechenden Aufbereitungsvorgang die Stammzellen einzufrieren. Diesem Vorgehen liegt die

Tatsache zugrunde, dass derartige Zellen in der Lage sind, Krankheiten zu heilen oder durch

Krankheiten zerstörte Gewebe zu ersetzen.

 

Blutstammzellen aus dem Nabelschnurblut:

  • sind besonders wirkungsvoll, weil sie sehr jung sind und hohes Potential zur Behandlung von Krankheiten haben.
  • sind gesund, da sie im Mutterleib weitgehend von Viren und Umwelteinflüssen geschützt sind.
  • sind sofort verfügbar und können im Bedarfsfall umgehend eingesetzt werden.
  • sind für Mutter und Kind absolut risikofrei und einfach zu gewinnen.
  •  rufen weniger und leichtere Abstoßungsreaktionen (Graft versus Host Reaktion) hervor.
  • sind in der Gewinnung und Anwendung ethisch völlig unbedenklich.

 

Aktuell können an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) drei Möglichkeiten an geboten werden:

  1. Die Spende des Nabelschnurblutes an die gemeinnützige Organisation NKR – Initiative Leben spenden Deutschland, die das Nabelschnurblut für erkrankte Menschen vermittelt,
  2. die Einlagerung für das eigene Kind oder
  3. die Einlagerung für das eigene Kind und das gleichzeitige Bereitstellen für andere Menschen. Welche Möglichkeit für Sie in Frage kommt, ist ganz allein Ihre Entscheidung.

 

Im Unterschied zu öffentlichen Blutbanken, bei denen je nach Verfügbarkeit und Bedarf gespendetes Nabelschnurblut der Allgemeinheit zur Verfügung steht (allogene Transplantation), ist das Nabelschnurblut bei privaten Anbietern dem Spender selbst vorbehalten (autologe Transplantation). Öffentliche und private Banken sind dabei nicht als Konkurrenz zu sehen, da die ein gelagerten Zellen für unterschiedliche medizinische Anwendungen heran gezogen werden und sich somit ergänzen. Während gespendetes Nabelschnurblut eher bei bösartigen Erkrankungen des Blut bildenden Systems (z. B. Leukämien, Blutbildungsstörungen, genetischen Erkrankungen) ein gesetzt wird, kommt eigenes Nabelschnurblut beispielsweise bei Lymphomen, Autoimmunerkrankungen, soliden Tumoren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder in der regenerativen Medizin zum Einsatz.

 

Um ein besseres Verständnis für die Bedeutung von Nabelschnurblutstammzellen zu geben, dienen folgende Fakten:

  • von zehn Millionen registrierten Blutstammzell-Spendern weltweit sind 9,8 Millionen Knochenmarkspender und 200.000 Präparate aus Nabelschnurblut – nur zwei Prozent des gesamten Spenderpools.
  • Ungefähr 55.000 allogene Blutstammzelltransplantationen sind bisher weltweit durchgeführt worden, davon allein aus Nabelschnurblut ca. 7.000 bis 8.000 – fast elf Prozent der Gesamttransplantationen.
  • Bis heute spendeten 30.000 Mütter das kindliche Nabelschnurblut der öffentlichen Nabelschnurblutbank des New York Blood Centers. In Amerika ist dies besonders vor dem ethnischen Hintergrund entscheidend, da die Menschen in Amerika aus allen ethnischen Bevölkerungsgruppen der Welt zusammen treffen. Für viele dieser Gruppen gibt es gar keine oder extrem wenig Knochenmarkspender. Dies wird zukünftig aufgrund der Globalisierung auch für Europa an Bedeutung gewinnen.

 

Die Menge des im Einzelfall gewonnenen Nabelschnurblutes variiert sehr. Während für die Spende Präparate mit einem Volumen von mehr als 60 ml benötigt werden, um die erforderliche Zelldosis für eine Transplantation zu erreichen, wird für das eigene Kind jedes Nabelschnurblut ein gelagert.

 

Derzeit arbeiten weltweit mehr als 42 Staaten mit über 56 zentralen Registern und 37 Nabelschnurblutbanken zusammen für das Wohl und die Gesundheit aller Menschen. Die weltweit größten Banken befinden sich in Tokio (Japan), Seoul (Südkorea) und New York (USA). In Deutschland steckt die Entwicklung auf dem Gebiet der Nabelschnurblut-Transplantationen trotz des enormen Potentials noch in den Kinderschuhen.

 

Um diese Entwicklung in Deutschland voran zu treiben, bieten wir Ihnen hier an der Medizinischen Hochschule Hannnover in Kooperation mit dem gemeinnützigen NKR – Initiative Leben spenden Deutschland die Möglichkeit einer umfassenden Beratung und Aufklärung sowie die fachkundige Entnahme des Nabelschnurblutes Ihres Kindes durch geschultes Personal.

 

Bitte sprechen Sie uns an – wir helfen Ihnen gerne weiter!

 

 

 

Prof. Dr. P. Hillemanns

Frauenklinik

 

Prof. Dr. K. Welte

Pädiatrische Hämatologie/Onkologie

 

Prof. Dr. A. Ganser

Hämatologie/Onkologie

 

Dr. Marlena Robin-Winn

Leiterin NKR – Initiative Leben spenden Deutschland

 

 

 

 

 

 

 

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     Letzte Änderung: Webmaster 21.07.2009