
Aortenklappenersatz mittels nahtloser Aortenklappenprothese bei Hochrisikopatienten. Erste Ergebnisse
Zurzeit werden verschiedene minimalinvasive und perkutane Verfahren zum Aortenklappenersatz in vielen kardiologischen und herzchirurgischen Zentren als Alternative zum konventionellen chirurgischen Verfahren erprobt. Ein wesentlicher Nachteil dieser Ansätze ist jedoch, dass die verkalkte ursprüngliche Aortenklappe des Patienten an ihrer Position bleibt. Eine sichere Verankerung der neuen Prothese ist somit zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gewährleistet.
In unserer Klinik wurde weltweit erstmalig eine nahtlose Aortenklappenprothese nach Entfernung der ursprünglichen, erkrankten Aortenklappe eingesetzt. Der Vorteil dieser neuen Prothese besteht darin, dass im Gegensatz zu den herkömmlichen Prothesen auf eine Fixierung durch zahlreiche Nähte verzichtet werden kann. Somit kann die Operationszeit und damit auch die Zeit, in der das Herz ohne Sauerstoffversorgung auskommen muss (Ischämiezeit) deutlich reduziert werden.
Die Methode
Nach Genehmigung durch die Ethikkommission und schriftlicher Einwilligung durch die Patienten wurde dieses Verfahren in 16 Hochrisikopatienten (13 Frauen) mit einem mittleren Alter von 81 Jahren (76-88 Jahre) angewendet. Das präoperative Operationsrisiko wurde mit dem EuroScore berechnet und betrug im Mittel 17 (8-73). Der operative Zugang erfolgte über eine konventionelle mediane Sternotomie (Eröffnung des Brustkorbes), der Verwendung der Herz-Lungen-Maschine (HLM) sowie der Gabe von Kardioplegielösung (Flüssigkeit zur Auslösung eines Herzstillstandes). Die nahtlose Aortenklappenprothese wurde nach Entfernung der erkrankten ursprünglichen Klappe sowie Entfernung von Kalkresten an der Aortenbasis (Ansatz der Hauptschlagader) unter direkter Sicht implantiert. Sieben Patienten erhielten aufgrund einer begleitenden koronaren Herzkrankheit koronare Bypässe während des gleichen Eingriffes.
Ergebnisse
Ein Patient verstarb während des Krankenhausaufenthaltes. Die durchgeführte Obduktion ergab keine Hinweise darauf, dass die Ursache für diesen Todesfall mit der implantierten Herzklappe zusammenhängen würde. Die HLM-Zeit betrug 60 min (41-130 min), die Aortenklemmzeit 36 min (22-79 min). Sowohl die intra- wie auch postoperativ durchgeführten echokardiographischen Kontrollen ergaben keine Hinweise auf eine Aortenklappeninsuffizienz, ein paravalvuläres Leck oder eine Fehlpositionierung der Prothese.
Ausblick
Die Ergebnisse dieser Pilotstudie belegen die Sicherheit der vorgestellten Technik. Dieses Verfahren ist eine gute Alternative zum konventionellen Aortenklappenersatz bei Patienten mit einer schwer verkalkten Aortenwurzel, da hierbei die HLM- wie auch Aortenklemmzeiten deutlich reduziert sind. In weiteren Schritten kann nun die Implantation über weniger invasive Zugänge (minimalinvasiv) erprobt werden.