
Privatdozent Dr. med. Ingo Kutschka ist seit Oktober 2011 als Bereichsleiter Koronarchirurgie und gemeinsam mit PD Dr. M. Shrestha als Leitender Oberarzt in der Klinik für HTTG Chirurgie der MHH beschäftigt.
Nach dem Abitur in Augsburg und dem Grundwehrdienst in Landsberg am Lech studierte er Humanmedizin an der Technischen Universität München. Dort absolvierte er auch seine Promotionsarbeit am Institut für experimentelle Chirurgie, die er 1996 mit der Note „sehr gut“ abschloss. Sein praktisches Jahr verbrachte er in den chirurgischen Kliniken des Kantonsspitals St. Gallen und der Universitätsklinik Basel. Es folgte dann die Tätigkeit als Arzt im Praktikum in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie der Universitätsklinik Freiburg. Nach der Entscheidung für eine herzchirurgische Weiterbildung erfolgte im Juli 1997 der Wechsel zu Prof. Dr. Haverich in die Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover, wo er zunächst fünf Jahre lang als Assistenzarzt tätig war. Im Jahr 2002 begleitete er den damaligen leitenden OA PD Dr. W. Harringer an das Klinikum Braunschweig, wo er seinen Facharzt für Chirurgie komplettierte und später als Oberarzt sein herz- und gefäßchirurgisches Profil erweiterte.
Es folgte 2004 ein Forschungsaufenthalt am Department of Cardiothoracic Surgery der Stanford University in Kalifornien unter der Leitung von Prof. R.C. Robbins. Mit Hilfe von Stipendien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und der Deutschen Gesellschaft für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie konnte er dort den Grundstein für seine Habilitation legen. Er war nach seiner Rückkehr an die MHH im Juni 2007 als Oberarzt an der HTTG-Chirurgie tätig und erhielt im November 2007 die Venia Legendi für das Fach Chirurgie. PD Dr. Kutschka ist Facharzt für Chirurgie und für Herzchirurgie.
Wissenschaft
Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt im Bereich der myokardialen Stammzelltherapie. Während seines Post-Doc- Fellowships in Stanford hat er sich mit dem Überleben kardialer Zelltransplantate im infarzierten Herzmuskelgewebe beschäftigt. Die dort erlernten experimentellen Modelle wurden inzwischen an der MHH etabliert und dienen als Grundlage für eine Vielzahl weiterführender Studien, die in den kardialen Sektor des REBIRTH Programmes integriert sind. Im Rahmen eines multizentrischen, BMBF geförderten, Projektes (PERFECT) werden derzeit u.a. Untersuchungen zur Biodistribution autologer Knochenmarkstammzellen nach myokardialer Applikation durchgeführt.
Ein weiterer Focus ist die Etablierung von Modellen zum Einsatz von humanen induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) für die myokardiale Restoration. Für seine experimentelle Arbeit im Bereich der kardialen Zelltransplantation, deren Ergebnisse in international anerkannten wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht sind, wurde er 2008 mit dem Ernst Derra Preis der Deutschen Gesellschaft für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie ausgezeichnet. Er ist als Gastreviewer für verschiedene Fachzeitschriften tätig und betreut regelmässig Doktoranden an der MHH. Als Forschungsbereichsleiter für kardiale Stammzelltherapie ist er verantwortlich für die Durchführung zweier multizentrischer klinischer Studien zur autologen Stammzelltherapie am Herzen.
Klinik
Seine derzeitige operative Tätigkeit umfasst die komplette (Erwachsenen-) Herzchirurgie mit Chirurgie der Aorta ascendens und des Aortenbogens. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich der modernen Koronarchirurgie (OPCAB, MIDCAB, arterielle Koronarrevaskularisation, MPC-Perfusion (s.u.),) und der komplexen Herzklappenchirurgie inklusive verschiedener rekonstruktiver Verfahren an Aorten- und Mitralklappe.
Ein weiterer Schwerpunkt der operativen Tätigkeit Dr. Kutschkas liegt im Bereich der minimal-invasiven Chirurgie: Dieses Verfahren etabliert sich zunehmend bei Patienten, die eine isolierte Erkrankung der Mitralklappe und/oder der Trikuspidalklappe aufweisen. Größter Vorteil des minimal-invasiven Zugangs ist der Verzicht auf die Eröffnung des Brustbeins. So werden Risiken wie Wundinfektionen vermieden und bessere kosmetische Ergebnisse erzielt.
Hier finden Sie weitere Informationen zu minimal-invasiven Operationsverfahren
Sein klinisches Forschungsinteresse konzentriert sich auf die Entwicklung von modernen Perfusionskonzepten zur Kreislaufunterstützung. Für seine Etablierungsarbeit unter Vernetzung von Chirurgie, Medizinindustrie und Kardio-technik bei der Entwicklung und Testung von „kleinen Herzlungenmaschinen“ (Minimized Perfusion Circuits, MPC) hat er 2006 den Kommunikationspreis der Industrie auf der Jahrestagung der DGTHG erhalten. Die erwähnten optimierten, kleinen Herzlungenmaschinen besitzen deutlich weniger Fremdoberfläche als herkömmliche Systeme und erlauben eine wesentlich blutschonendere Kreislaufunterstützung während der Operation. Inzwischen sind diese Konzepte an der MHH für den herzchirurgischen Routinebetrieb etabliert. Der Verbrauch an Fremdbluttransfusionen konnte mit dieser Technik deutlich reduziert werden. Derzeit werden klinische Studien zur weiteren Optimierung dieser Systeme auch für komplexe herzchirurgische Eingriffe durchgeführt.
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