
Auswirkungen verschiedener Übungsverfahren auf Lese- Rechtschreibkompetenzen
Hauptveranwortlich: Prof. Dr. Dr. h.c. M. Ptok
Die Mitarbeiter des Forschungsprojekts zur Lese- Rechtschreibstörung (LRS)
v.l.n.r.: Dr. M. Wittler, B. Grabherr, S. Gottal,
J. Schneeberg, K. Berendes
Projektleitung: Dr. phil. M. Wittler
Tel: +49 511 532-5776
Fax: +49 511 532-4609
E-Mail: wittler.marion
mh-hannover.de
Bisheriges Projektvolumen: 204.700 Euro, gefördert aus Mitteln des Niedersächsichen Vorab der VolkswagenStiftung
Laufzeit: 12/2006-12/2008
Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen
Karin Berendes
Dipl. Logopädin
Tel: +49 511 532-5781
Fax: +49 511 532-4609
E-Mail: berendes.karin
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Themenschwerpunkt: Schriftspracherwerb und phonologische Informationsverarbeitung im Grundschulalter
Stephanie Gottal
Dipl. Patholinguistin
Tel: +49 511 532-5778
Fax: +49 511 532-4609
E-Mail: gottal.stephanie
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Themenschwerpunkt: Auswirkungen basal-auditiver versus phonologischer Therapie auf Lese- Rechtschreibkompetenzen im Grundschulatler
Britta Grabherr
Dipl. Patholinguistin
Tel: +49 511 532-5781
Fax: +49 511 532-4609
E-Mail: grabherr.britta
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Themenschwerpunkt: Zusammenhang zwischen Schriftspracherwerb und Benenngeschwindigkeit sowie Rekodierungsprozessen im Grundschulalter
Jennifer Schneeberg
Phonetikerin, M.A.
Tel: +49 511 532-5778
Fax: +49 511 532-4609
E-Mail: schneeberg.jennifer
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Themenschwerpunkt: Zusammenhang zwischen Lese- Rechtschreibstörungen und Angst im Grundschulalter
Zusammenfassung des Forschungsvorhabens
In der Bundesrepublik leben ca. 200.000 lese- und rechschreibschwache Grundschulkinder. Es gilt heute als allgemein anerkannt, dass ein verzögerter Erwerb von Lese- und Rechtschreibfertigkeiten mit einer nicht altersgemäßen phonologischen Bewusstheit einhergeht: hierunter versteht man, dass betroffene Kinder nicht oder nur eingeschränkt in der Lage sind, Sprachlaute adäquat zu speichern, zu analysieren und mit ihnen zu operieren. Auch Defizite bei der phonologischen Informationsverarbeitung im phonologischen Arbeitsgedächtnis oder in Bezug auf phonologische Rekodierungsprozesse werden als Ursache für eine Lese-Rechtschreibstörung (LRS) diskutiert.
Nach der "phonologischen Defizithypothese" ist eine Störung der phonologischen Informationsverarbeitung das Resultat einer spezifischen Beeinträchtigung der phonologischen Repräsentationen bzw. der phonologischen Verarbeitungsschritte, d.h. diese Kinder haben rein kognitive Schwächen.
Nach der "magnozellulären Theorie" sind Defizite der phonologischen Informationsverarbeitung auf sensorische Defizite der Verarbeitung von Sinnesreizen mit sich schnell ändernder Struktur zurückzuführen. Die kognitiven Defizite werden also als Folge von sensorischen Defiziten gesehen.
Verschiedene Arbeitsgruppen haben versucht, diese Theorien durch Korrelationsstudien, d.h. durch einen Vergleich von phonologischen Verarbeitungskompetenzen einerseits und Fähigkeiten der schnellen sensorischen Verarbeitung (visuell und auditorisch) andererseits, zu fundieren. Die Ergebnisse sind allerdings uneinheitlich.
Zusätzlich zu querschnittlich angelegten Korrelationsstudien bieten längsschnittlich angelegte Interventionsstudien eine Möglichkeit, Hinweise für die Bestätigung einer dieser Theorien zu finden.
Im Rahmen dieses Forschungsprojekts soll eine solche Interventionsstudie durchgeführt werden. Insbesondere soll die Frage beantwortet werden, ob ein eher symptomspezifisches Training, d. h. ein Training der phonologischen Informationsverarbeitung (phonologische Bewusstheit, phonologisches Arbeitsgedächtnis, schnelles Benennen/phonologische Rekodierung), oder ein Training von speziellen sensorischen Funktionen (hier: der schnellen auditorischen Verarbeitung) für die betroffenen Kinder hilfreicher für den Erwerb schriftsprachlicher Fähigkeiten ist.
Stand der Forschung
In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich zunehmend durchgesetzt, dass Defizite der bewussten phonologischen Verarbeitung (phonologische Bewusstheit, engl. "phonological awareness") eine zentrale Rolle bei Sprachentwicklungsverzögerungen bzw. LRS spielen.
Unter bewusster phonologischer Verarbeitung versteht man u.a. die Fähigkeit, Sprache als lineare Sequenz von Einzellauten mit bedeutungsunterscheidender Funktion (Phoneme) zu begreifen und bewusst mit diesen Segmenten zur Analyse und Synthese zu operieren. Die Phoneme sind in alphabetischen Schriften durch separate Symbole (Grapheme) repräsentiert. Für die Umkodierung von Sprachlauten in Schriftsymbole (Phonem-Graphem-Konversion) ist ein "Loslösen" von der Sprachwahrnehmung resp. dem Bedeutungsaspekt erforderlich, damit ein bewusstes Verfügen über lautliche Einheiten sowie eine Analyse und Synthese lautlicher und struktureller Aspekte ermöglicht wird. Die sprachspezifische Konsistenz der Phonem-Graphem-Korrespondenz spielt für den Erwerb einer Alphabetschrift eine wesentliche Rolle.
Nach der "phonologischen Defizithypothese" sind Störungen des Schriftspracherwerbs das Resultat einer spezifischen Beeinträchtigung der phonologischen Repräsentationen bzw. der phonologischen Prozesse. Dadurch wird die Fähigkeit, mit den Segmenten der Sprachlaute bewusst umzugehen, behindert. Therapien, die auf dieser Theorie basieren, sollen den Kindern vermitteln, Sprachlaute adäquat zu analysieren und zu speichern bzw. mit ihnen zu hantieren.
Verschiedene andere Forschergruppen schließen sich der Meinung, dass Störungen im Schriftspracherwerb auf Beeinträchtigungen der phonologischen Repräsentationen bzw. der phonologischen Prozesse beruhen, an. Sie postulieren allerdings, dass zumindest bei einem Teil der Betroffenen diese Störungen und Beeinträchtigungen mit Störungen der schnellen auditorischen Verarbeitung ("rapid auditory processing deficit"-Hypothese) assoziiert sind bzw. solche Störungen im kausalen Zusammenhang mit Störungen linguistischer Kompetenzen stehen. Dies wurde unter Verwendung verschiedener psychoakustischer Verfahren zu belegen versucht. Auch bei der schnellen visuellen Verarbeitung wurden bei Kindern mit einer LRS Defizite gefunden.
Stichprobe
Die Stichprobe setzt sich zusammen aus Grundschülern der 3. Klasse, bei denen entweder eine LRS per Definition (Diskerpanzkriterium erfüllt) oder aber Schwierigkeiten beim Lesen und/oder Schreiben (Diskrepanzkriterium nicht erfüllt) diagnostiziert wurden. Die Zusammenstellung der Stichprobe erfolgt in Kooperation mit beteiligten Schulen aus der Wedemark (5) und Garbsen (4), auf Grundlage der unten aufgeführten Diagnostiken.
Diagnostiken
Schriftsprache
Diagnostischer Rechtschreibtest 3 (DRT 3)
Würzburger Leise Lese Probe (WLLP)
Salzburger Lesetest
Peripheres Hörvermögen
Tonaudiometrie
Tympanometrie
DPOAE
Schnelle auditorische Verarbeitung
Patsytest
Das Team bei der Erprobung der Patsy-Diagnostik
Nonverbale Intelligenz und allgemeine Lernfähigkeit
Coloured Progressive Matrixes (CPM)
Verbaler Lern- und Merkfähigkeitstest (VLMT)
Phonologische Informationsverarbeitung
Basiskompetenzen für Lese- Rechtschreibleistungen (BAKO 1-4)
Hannover'scher Test zur Überprüfung der sensokognitiven Integration (H-Sci)
Mottier Test
schnelles Benennen
Mathematik
Deutscher Mathematiktest 3 (DEMAT 3+)
Angstpotential
Kinder Angst Test (KAT)
Studiendesign
Training im Therapeut-Schüler- Modus/Therapiegruppe A | auditorisches Training* | phonologisches Training** |
Training im Therapeut-Schüler- Modus/Therapiegruppe B | phonologisches Training | auditorisches Training |
Tab. 1: Schematische Darstellung des Studiendesigns (cross-over design; cross-over nach 5 Monaten Therapie)
* Auditorisches Training: Training mit dem brainboy universal
**Phonologisches Training: Training der phonologischen Informationsverarbeitung
- phonologische Bewusstheit
- phonologisches Arbeitsgedächtnis
- phonologische Rekodierung
Ziele des Forschungsvorhabens
Die Ergebnisse der prospektiven Therapiestudie im cross-over Design liefern Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen sensorisch-perzeptiven Funktionen und der phonologischen Informationsverarbeitung. Sollte ein spezifischer positiver Effekt nachgewiesen werden können, so spräche dies für eine Fundierung der magnozellulären Theorie resp. der "rapid auditory processing"-Hypothese. Verbessert ein Training der basalen auditorischen Funktionen jedoch nicht die phonologische Informationsverarbeitung bzw. die schriftsprachlichen Kompetenzen, so spräche dies für die Annahme der "phonologischen Defizithypothese".
Die Ergebnisse der Studie werden Hinweise für die Bestätigung oder Ablehnung der "magnozellulären Theorie" liefern. Auch werden die Ergebnisse neue Erkenntnisse darüber liefern, ob bei bestimmten Kindern, d. h. Kindern, bei denen entsprechende Voraussetzungen vorliegen, eher ein Training basaler auditorischer Funktionen oder ein phonologisches Training wirksam ist bzw. ob sich "Untergruppen" finden lassen.
Damit kommt den Ergebnissen sowohl unter Aspekten der Grundlagenforschung, der klinischen Forschung wie unter ökonomischen Aspekten eine hohe Relevanz zu.

Die Medizinische Hochschule Hannover hat sich zur größten Transplantationsklinik in Deutschland entw...