

Die Ambulant Erworbene Pneumonie (CAP) ist eine häufig auftretende Volkskrankheit. Schätzungsweise erkranken allein in Deutschland 800 000 Menschen pro Jahr, knapp ein Drittel davon musste nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahre 1998 ins Krankenhaus aufgenommen werden. Damit führte die Ambulant Erworbene Pneumonie häufiger zur stationären Aufnahme als die bekannten Volkskrankheiten Herzinfarkt (132 000 Aufnahmen) und Schlaganfall (162 000 Aufnahmen). Die durch die Erkrankung entstehenden Kosten dürften mehr als 500 Millionen Euro pro Jahr betragen. Die Sterblichkeit liegt bei 6-8%, Pneumonie ist damit zur Zeit die sechsthäufigste Todesursache in Deutschland.
Trotz der Bedeutung der Ambulant Erworbenen Pneumonie fehlen in Deutschland zuverlässige Daten zum Erregerspektrum, zur Resistenzsituation der Erreger und zum Verlauf der Erkrankung. Auch die Anwendbarkeit verschiedener internationaler Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie auf Deutschland ist nicht gesichert. Grundlagenwissenschaftliche Erkenntnisse über die Interaktion von Erregern mit Wirtszellen sind nur unzureichend verstanden, dies ist jedoch für die Entwicklung alternativer therapeutischer Strategien von zentraler Bedeutung.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat diese Defizite erkannt und fördert das Kompetenznetz Ambulant Erworbene Pneumonie, kurz CAPNETZ. Das Projekt CAPNETZ vernetzt verschiedene in Deutschland mit diesem Krankheitsbild beschäftigter Gruppen aus allen Bereichen der Medizin, um neue Deutschland spezifische Daten zu ermitteln. Hierbei arbeiten niedergelassene Ärzte, Krankenhausärzte, Mikrobiologen, Virologen, Epidemiologen und Informatiker zusammenarbeiten. Zirka 3 000 Patienten mit Ambulant Erworbener Pneumonie sollen landesweit erfasst werden. Die verantwortlichen Erreger werden angezüchtet und deren Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika ermittelt. Alle klinischen und mikrobiologischen Daten werden zusammengeführt und in einer zentrale Material- und Datenbankbank verwaltet.
Ausgehend von diesem Datenmaterial werden u. a. folgende Fragestellungen bearbeitet:
1. Wie häufig verursachen welche Erreger eine Ambulant Erworbene Pneumonie?
2. Wie ist die Resistenzsituation der Erreger gegenüber Antibiotika in Deutschland?
3. Gibt es im Blut bestimmte Werte, die eine Vorhersage erlauben, ob der Patient eine besonders schwere Pneumonie erleidet?
4. Ist das z. Z. in Deutschland praktizierte Vorgehen bei dieser Krankheit ökonomisch?
5. Müssen bestehende offizielle Empfehlungen zur Diagnose und Therapie der Ambulant Erworbenen Pneumonie überarbeitet werden?
6. Wie kann eine bessere Akzeptanz von Impfungen erreicht werden?
7. Was bringt Bakterien dazu, Schleimhäute nicht nur zu besiedeln, sondern invasiv zu werden? Warum kann die körpereigene Abwehr die Erkrankung nicht verhindern?
CAPNETZ definiert und sichert diagnostische und therapeutische Standards. Darüber hinaus ist die Weitergabe des medizinischen Wissens ein zentrales Anliegen. Das Informationsangebot richtet sich dabei an Ärzte und medizinisches Personal und schließt Patientenaufklärung ein.
Das lokale klinische Zentrum Hannover (LCC) rekrutiert Patienten mit ambulant erworbenen Pneumonien über die Aufnahmestation von drei Medizinischen Kliniken und über ca. 60 niedergelassene Ärzte, zu denen Kooperationen bestehen.
Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Abteilung Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. S. Suerbaum).
Ansprechpartner: PD Dr. Mathias Pletz
Angela Höflich
Julia Münstermann
Telefon: 049-511/532-3692 o. -3661
Fax: 049-511/532-3353
E-mail: hannover
capnetz.de

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