In den vergangenen 30 Jahren hat die Behandlung der Kinder mit Krebserkrankungen beeindruckende Fortschritte machen können. Etwa 85% der an einem bösartigem Tumor erkrankten Kinder können mittlerweile von ihrer Erkrankung geheilt werden.
An der Medizinischen Hochschule in Hannover ist eine gemeinsame Arbeitsgruppe der Abteilungen Päd. Hämatologie und Onkologie / Kinderchirurgie / Radiotherapeuten der MHH etabliert. Sie ist vernetzt mit den nationalen und auch internationalen Netzwerken (GPOH-Studiengruppen – alle medizinischen Fachrichtungen, die sich in Deutschland mit der Behandlung dieser sog. „pädiatrischen Tumorerkrankungen“ befassen). Diese intensive Zusammenarbeit betrifft auch psycho-soziale Aspekte, um dem ganzheitlichen Behandlungsanspruch gerecht zu werden. Die Selbsthilfeorganisationen, Elternvereine (Elternverein für das krebskranke Kind, Elternverein Kinderchirurgie) spielen in dieser Hinsicht eine bedeutende Rolle.
In den letzten 10 Jahren wurden an der MHH von Kinderchirurgen und Pädiatischen Onkologen gemeinsam mehr als 500 Kinder mit soliden malignen Tumoren behandelt und operiert.
Neuroblastom
Das Neuroblastom ist der häufigste solide extrakranielle Tumor des Kindesaltersn (7%-8%). In den meisten Fällen wächst der Tumor ausgehend von einer der beiden Nebennieren oder vom Nervengewebe neben der Wirbelsäule im Bauch oder im Brustkorb. Das mittlere Erkrankungsalter zum Zeitpunkt der Diagnosestellung liegt bei zwei Jahren. Die Behandlung des Neuroblastoms stellt für pädiatrische Onkologen und Chirurgen ein Problem mit erheblicher klinischer Bedeutung das, da einer sehr variablen Tumorbiologie und daher sehr unterschiedliche Krankheitsverläufe zu berücksichtigen sind. Die Prognose mit einer 5-Jahresüberlebenszeit von 95% wird durch ein niedriges Tumorstadium und ein frühes Erkrankungsalter begünstigt. Fortgeschrittene Fälle, höheres Patientenalter und n-myc-Amplifikation sind mit einer schlechteren Prognose assoziiert.
Allgemein unterscheidet man unterschiedlich reife Tumortypen (Grad I-III). Zu Beginn der Behandlung ist es daher wichtig, Gewebe vom Tumor zu untersuchen, um die Tumorbiologie charakterisieren zu können. Die Therapie (insbesondere die exakt zu planende, individuell angemessene Operationsstrategie) muss sich nach diesen Erkenntnisse der Tumorbiologie richten, damit sie maßvoll gestaltet werden kann (individueller Zuschnitt). Als sog. Tumormarker dienen dabei die Ausscheidungsprodukte der Neuroblastomzellen, die Katecholaminprodukte im Blut und im Urin. Sie sind in über zwei Drittel der Fälle erhöht und sinken bei erfolgreicher Behandlung.
Weichteilsarkome
Weichteilsarkome sind bösartige Tumoren der Weichteile (z.B. auch der Muskulatur). Sie können grundsätzlich überall im Körper auftreten. Die Weichteilsarkome werden in Abhängigkeit von ihrem feingeweblichen Charakter in unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Die Prognose der Erkrankung ist dann abhängig von diesem Charakter und vom Ausbreitungsstadium. Entsprechend ist dann für den individuellen Patienten die konkrete Behandlung jeweils zu planen (Operation, Chemotherapie, Bestrahlung). Grundsätzlich wird zunächst eine Probe aus dem Tumor entnommen und feingeweblich untersucht. Das Ausbreitungsstadium wird mit dem Ultraschall, der Magnetresonanztomographie und ggf. mit Hilfe der Computertomographie ermittelt.
Wilms`Tumor (Nephroblastom)
Der Wilms`Tumor, auch Nephroblastom, ist der häufigste Nierentumor im Kindesalter. Er tritt fast immer in einer Niere auf, kann aber in 5 bis 10% der Fälle beide Nieren befallen. Die betroffenen Kinder sind meistens im Alter unter 4 Jahren. Die bildgebende Erscheinung (Schnittbildgebung wie MRT/Ultraschall) ist grundsätzlich so typisch, dass ohne Gewinnung einer feingeweblichen Probe die Chemotherapie dieses Tumors eingeleitet wird. Nach dieser initialen Chemotherapie lässt sich dann der Tumor mit der betroffenen Niere fast immer gut entfernen. Das Kind hat dann nach einer weiteren Chemotherapie eine sehr gute Prognose. Ob Nierengewebe belassen werden kann, bleibt für den konkreten Einzelfall zu prüfen. Die Untersuchung des entfernten Tumors ermöglicht dann die genaue Klassifizierung der Erkrankung. Danach richtet sich die genaue Wahl der postoperativen Chemotherapie.
Hepatoblastom
Der häufigste Lebertumor im Kindesalter ist das Hepatoblastom. Der Altersgipfel liegt im Bereich zwischen 6 Monaten und 3 Jahren. Das Hepatoblastom fällt häufig durch eine rechtsbetonte Schwellung des Oberbauchs mit einer oft tastbaren Verhärtung und einer Zunahme des Bauchumfangs auf. Dazu kommen Gewichtsverlust, Fieber, mangelnder Appetit und auch gelegentlich Erbrechen. Die dann erforderlichen, weiteren Untersuchungen zeigen dann im Ultraschall, in der Computertomographie oder in der Magnetresonanztomographie den Tumor in der Leber. Die Computertomographie der Lunge ist erforderlich, um Metastasen dort zunächst auszuschließen. Als sog. Tumormarker für die Diagnose und für die Verlaufsbeurteilung dient die Bestimmung von a-Fetoprotein (AFP) und b-HCG im Blut. Wenn die Kinder im Alter zwischen 6 Monaten und 3 Jahren eine Konzentration des AFP über 1000 ng/ml und mindestens dem 3-fachen Wert der Altersnorm haben, wird in der Regel in diesen Situationen zunächst auf eine Probenentnahme aus dem Tumor verzichtet (insbesondere wenn die sog. unspezifische Labordiagnostik dem diagnostischen Bild entspricht. Ist eine histopathologische Klärung des Tumorcharakters dennoch notwendig (z.B. zum Ausschluß anderer, auch gutartiger Veränderung), dann kann diese chirurgische Maßnahme minimal-invasiv (MIC) erfolgen.
Zur Heilung muß der Tumor ganz entfernt werden. Dieses Behandlungsziel ist selten zum Zeitpunkt der Erstdiagnose möglich. Daher werden die Patienten dann zunächst mit Chemotherapeutika behandelt, um die Masse des Tumors zu reduzieren. Die chirurgische Intervention zur kompletten Entfernung erfolgt dann im Anschluß zu einem angemessenen, späteren Zeitpunkt.
Teratome
Teratome sind seltene Tumore, die von den Keimzellen ausgehen. Sie sind häufig nicht bösartig. Sie können grundsätzlich an den unterschiedlichsten Stellen des Körpers vorkommen. Zu den typischen Lokalisationen zählen die Ovarien, die Hoden und das Steißbein. Häufig senden die Tumore Substanzen wie das alpha-Fetoprotein (AFP) und / oder beta-HCG ins Blut, die man dort als Tumormarker bestimmen kann, um den Erkrankungsverlauf zu begleiten. Teratome sind operativ zu entfernen, um die Patienten zu heilen. Lediglich für bereits fortgeschrittenen Stadien ist vor die operative Therapie die Verabreichung einer Chemotherapie erforderlich. Insgesamt besitzen die Patienten mit Teratomen nach der Therapie eine hohe Chance auf Heilung.
Glücklicherweise sind zunächst die gutartigen Tumoren im Kindesalter viel häufiger als die bösartigen. Diese gutartigen Veränderungen werden im Aallgemeinen operativ entfernt. Danach ist das Kind dann in der Regel geheilt und benötigt keine weitere Therapie. Zu den gutartigen Tumoren zählen z.B. Lymphangiome, Ausgereifte Teratome und Lipome.