
Der Mensch ist heute ständigen Anforderungen durch seine Umgebung, sei es beruflich oder privat, ausgesetzt. Chronische Überforderungen jedoch oder gar aversive Erlebnisse bis hin zu Traumata beeinflussen das Fühlen, Denken und Handeln in diesem Moment. Sie können aber auch noch bis lange nach ihrem Ende Einfluss auf die Psyche und den Körper nehmen. Besonders Erlebnisse der frühen Kindheit sind zum Teil zwar nicht immer mehr bewusst, beeinflussen aber die menschliche Entwicklung bis hin zur Prädisponierung für Erkrankungen bis ins Erwachsenenalter. Es ist bekannt, dass frühkindlicher Stress direkt auf die Ausreifung und Plastizität des Gehirns wirkt und somit nachhaltig sowohl die Gedächtnisfunktionen verändert als auch in Zusammenhang mit der Entstehung von affektiven Störungen gesetzt wird.
Im Tiermodell haben wir den Einfluss frühkindlicher Belastungen durch Maternale Deprivation untersucht. Neben der Entwicklung von Verhaltensstörungen und einem gesteigerten Schmerzempfinden noch im Erwachsenenalter fanden wir darüber hinaus auch eine erhöhte Prädisponierung für Multiple Sklerose und Asthma bronchiale. Die bereits durch nur kurze Unterbrechung der Mutter-Kind-Beziehung hervorgerufenen Veränderungen betreffen somit das sich entwickelnde Individuum ebenso wie sie auch lange anhaltende Effekte vermitteln (siehe auch Stephan M, Skripuletz T, von Hörsten S. 2006. Early postnatal nongenetic factors modulate disease susceptibility in adulthood: examples from disease models of multiple sclerosis, periodontitis, and asthma. Springer Science + Business Media, LLC.).
Die Mechanismen, die diesen Phänomenen zu Grunde liegen, sind noch unzureichend erforscht, doch kommt zunehmend neben einer Veränderung der Gehirn-Nebennieren-Achse und einer somit veränderten Glukokortikoid-Sekretion auch eine Störung des Neuropeptid-Gleichgewichtes im Zentralen Nervensystem in den Fokus. Dieses Neuropeptidsystem wird bereits im engen Zusammenhang mit affektiven Störungen diskutiert und im Tiermodell konnten schon die Effekte auf das Angstverhalten gezeigt werden. Da dieses peptiderge System und dessen Wirkung durch Enzyme, die bereits pharmakologisch hemmbar sind, modifiziert wird, könnten sich hier neue therapeutische Optionen ergeben.
Die Generierung eines tieferen Verständnisses der diesen Phänomenen zugrunde liegenden Neurobiologie und die Integration dieser neurowissenschaftlichen-psychosomatischen Grundlagenforschung in klinischen Studien steht daher im besonderen Interesse unserer Klinik.

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