
I. Forschungsprofil
Die Klinik für Kieferorthopädie betreibt zurzeit vor allem interdisziplinäre klinische Forschung. Das Ziel ist es, in den kommenden Jahren in der Kieferorthopädie verstärkt Fragestellungen der Grundlagenforschung zu bearbeiten. Deshalb befindet sich ein gemeinsamer Forschungsbereich des Zentrums Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde mit einer zell- und molekularbiologischen Ausrichtung im Aufbau. Darin ist als ein Forschungsschwerpunkt ein interdisziplinäres Projekt zur Fragestellung der Besiedlung von kieferorthopädischen Behandlungsapparaturen mit Mikroorganismen (sog. „Biofilm“) und der Entwicklung neuer kieferorthopädischer Materialien mit anti-adhäsiver Beschichtung zu nennen. Weiter gehört ein Projekt „Zellregeneration“ dazu mit zell- und molekular-biologischen Untersuchungen zum Knochenersatz im Sinne einer zellbasierten regenerativen Medizin (insbesondere bei Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten und bei Bewegung von Zähnen in den Spaltbereich). Weitere Forschungsschwerpunkte stellen die Themen „Biomaterialien“ und „3D-Imaging“ dar. Diese Projekte erfolgen in Kooperation mit allen Kliniken des Zentrums Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und Kliniken und Instituten der Medizin sowie weiteren Einrichtungen des Wissenschaftsstandortes Hannover.
II. Forschungsprojekte
Beschreibung eines ausgewählten Forschungsprojektes:
Titel: Entwicklung eines Gerätes zur Messung der Übertragung des Torques von lingualen Bracketsystemen auf Zähne
Inhaltsangabe:
In der Kieferorthopädie können Zähne durch festsitzende Apparaturen dreidimensional kontrolliert auf ihren knöchernen Basen bewegt werden. Dadurch ist eine Harmonisierung der Zahnstellung im Ober- und Unterkiefer sowie eine Harmonisierung der Zahnbögen zueinander möglich. Festsitzende Apparaturen können an der Außenseite von Zähnen oder aber an der Innenseite von Zähnen befestigt werden. In Weiterentwicklung von konfektionierten lingualen Bracketsystemen wurde ein individuelles linguales Bracketsystem konzipiert (Typ „Incognito“ nach Wiechmann). Dieses basiert insbesondere auf der digitalen Erfassung des therapeutischen Soll-Zustands, der individuellen virtuellen Gestaltung und Positionierung der Brackets am Computer und der Fertigung der individuellen Brackets mit Hilfe moderner CAD/CAM-Technologie. Die dazugehörigen kieferorthopädischen Bögen werden
individuell mit einem Biegeroboter hergestellt. Durch Anwendung dieser neuen Technologie ist es möglich, individuelle, flachere und deutlich kleinere Brackets im Vergleich zu konfektionierten Systemen herzustellen und anzuwenden.
Das Erreichen der gewünschten Position der einzelnen Zähne auf dem jeweiligen Kiefer ist abhängig von der Präzision der eingesetzten Apparatur. Im Zusammenspiel von Brackets mit dem sie jeweils verbindenden kieferorthopädischen Bogen wird die gewünschte Zahnposition von der Planung über die Apparatur auf den Patienten übertragen. Dies betrifft insbesondere die Zahnposition in oro-vestibulärer Richtung, den Torque. Ziel der vorliegenden Studie war es, eine spezielle Mess-Apparatur zu entwickeln und die Torque-Übertragung von kieferorthopädischen Bögen in den Bracketslots des neu entwickelten individuellen lingualen Bracketsystems „Incognito“ mit Hilfe einer speziellen neu entwickelten Ligatur („Power-Tie“) in vitro zu messen, mit anderen bereits bekannten Ligaturen zu vergleichen und damit Aussagen zur Präzision der Wirksamkeit des neuen Bracketsystems zu machen (Abb. 1a-c).



Abbildung 1a: Brackets und Bögen der individuellen linguaren Apparatur im Mund eines Patienten | Abbildung 1b: Entwickelte Apparatur zur Messung von Torque | Abbildung 1c: "Powertie" während der Messung |
Es wurde eine vergleichende Untersuchung zur Torque-Übertragung durchgeführt: Für die Befestigung von kieferorthopädischen Bögen in Bracketslots wurden folgende Varianten gewählt: „Ohne Ligatur“, mit „O-Ring“, mit „Doppel-Over-Tie“ und mit „Power-Tie“. Die Messungen wurden in vitro jeweils an Frontzähnen durchgeführt.
Die Befunde weisen darauf hin, dass durch die Anwendung des neu entwickelten „Power-Ties“ der Torque bei der untersuchten individuellen lingualen Apparatur deutlich präziser als mit anderen Befestigungsmitteln übertragen wird und damit die gewünschte Zahnposition während der Behandlung exakter erreicht werden kann.
Projektleiter:
D. Wiechmann, R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie)
Drittmittelgeber:
47.000 € an Drittmitteln von der Industrie
Weitere Forschungsprojekte:
Titel | Projektleiter |
Biofilmbildung auf festsitzenden orthodontischen Apparaturen und Mikro-Implantaten | A. Demling, R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie), |
Intraorale Biofilmbildung auf dentalen Werkstoffen | A. Demling, R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie), |
Einfluss ausgedehnter Kraniotomien auf die Entwicklung und das Wachstum viszerokranialer Suturen | H.-A. Merten (Klinik für Kieferorthopädie), |
Papillen-Augmentation mit injizierbaren, lokostabilen Hydrogelen | H.-A. Merten (Klinik für Kieferorthopädie), |
Kariesinzidenz bei Patienten mit festsitzender kieferorthopädischer Apparatur: Linguale Brackets versus bukkale Brackets | D. Wiechmann, R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie) in Kooperation mit R. Attin (Universität Zürich) |
Biegebruchfestigkeit unterschiedlicher adhäsiver Systeme an unterschiedlichen Grenzflächen bei lingualen | D. Wiechmann, R. Schwestka-Polly (Klink für Kieferorthopädie) in Kooperation mit |
Einfluss der Programmiertemperatur auf die Eigenschaften superelastischer kieferorthopädischer Bögen | D. Wiechmann, R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie) in Kooperation mit |
Weiterentwicklung der 3D-Positionierung von Zahnbögen im Rahmen der gelenkbezüglichen kieferorthopädischen | R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie), |
Langzeitstabilität kieferorthopädisch-kieferchirurgischer Behandlungen | R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie), |
Enossale Verankerung bei kieferorthopädischen Behandlungen | H.-A. Merten, R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie), |
3D-Darstellung der wachstums- und entwicklungsbedingten Größen- und Formveränderungen des Oberkiefers bei | J.L. Berten, R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie), |
Beeinflussung der Kondylenposition nach Eingliederung verschiedener Okklusionsschienen bei Patienten mit | A. Demling, R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie), |
Entwicklung und klinische Anwendung der „Vario-Platten“, eines kieferorthopädischen Doppelplatten-Systems, | R. Schwestka-Polly, T. Gertzen (Klinik für Kieferorthopädie) |
Möglichkeiten der Einstellung retinierter Zähne | J.L. Berten, R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie) |
Entwicklung, Anwendung und Evaluation eines Mundhygienekonzeptes im Rahmen einer präventionsorientierten | A. Sachse, T. Gertzen, K. Beberhold, R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie) |
Computer- und web-unterstützte Lehre in der Kieferorthopädie (Klinik für Kieferorthopädie) | T. Asselmeyer, B. Steffen, R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie), |
III. Publikationen
Asselmeyer T, Möllenkamp HW, Wittkowski K-H, Meyer G. Okklusale Interferenzen – ein Risikofaktor für Gesichts-, Kopf- und Rückenschmerzen. Quintessenz Team-Journal 2007;37:351-60.
Demling A, Stiesch-Scholz M. Vergleich der Reproduzierbarkeit elektronisch registrierter Funktionsparameter bei Patienten und Probanden. Dtsch Zahnärztl Z 2007;62:162-7.
Ding Y, Xu T-M, Lohrmann B, Gellrich N-C, Schwestka-Polly R. Stability following combined orthodontic-surgical treatment for skeletal anterior open bite – a cephalometric 15-year follow-up study. J Orofac Orthop 2007;68:245-56.
Fink M, Ismail F, Heßling K, Fischer M, Stiesch-Scholz M, Demling A. Einsatz der physikalischen Therapie bei der Behandlung der kraniomandibulären Dysfunktion. Manuelle Medizin 2007;45:255-60.
Heuer W, Elter C, Demling A, Neumann A, Suerbaum S, Hannig M, Heidenblut T, Bach FW, Stiesch-Scholz. Analysis of early biofilm formation on oral implants in man. J Oral Rehabil 2007;34:377-82.
Ismail F, Demling A, Heßling K, Fink M, Stiesch-Scholz M. Short-term efficacy of physical therapy compared to splint therapy in treatment of arthrogenous TMD. J Oral Rehabil 2007;34:807-13.
Nitsch A, Merten H-A, Verheggen R. Histologischer Vergleich unterschiedlicher Biopolymere im enossalen Defekt. Schweiz Monatsschr Zahnmed 2007;117:720-7.
Nitsch A, Schilling M, Wiese KG, Merten H-A. Risikoabschätzung diabetogen bedingter Wundheilungsstörungen nach oralchirurgischen Eingriffen. ZWR 2007;116:514-24.
Wiechmann D, Decker A, Hohoff A, Kleinheinz J, Stamm T. The influence of lead thyroid collars on cephalometric landmark identification. Oral Surg Oral Med Oral Pathol Oral Radiol Endod 2007;104:560-8.
Wiechmann D, Meyer U, Büchter A. Success rate of mini- and micro-implants used for orthodontic anchorage: a prospective clinical study. Clin Oral Impl Res 2007;18:263-7.
Übersichtsartikel:
Asselmeyer T. eLearning in der kieferorthopädischen Lehre. In: eLearning in Niedersachsen. Hannover: Nordmedia; 2007. p. 78-9.
Bücher, Buchbeiträge, Lehrbücher:
Keine.
Abstracts:
2007 wurden 14 Abstracts publiziert.
IV. Habilitationen und Promotionen
Abgeschlossene Habilitationen:
Keine.
Abgeschlossene Promotionen:
Anka Maria Mund (Dr. med. dent.): Der prognostische Wert kephalometrischer Variablen für die Distalokklusion.
Ulrike Elisabeth Otto (Dr. med. dent.): Vergleichende Untersuchung zur symmetrischen Entwicklung des Oberkiefers bei Patienten mit einseitiger Lippen-Kiefer-Gaumenspalte bei unterschiedlichen Therapiekonzepten.
Wissenschaftspreise an Mitarbeiter:
Dirk Wiechmann (Dr. med. dent.): Auszeichnung für den besten Vortrag auf der Jahrestagung 2007 der „Deutschen Gesellschaft für Linguale Orthodontie“.
Dirk Wiechmann (Dr. med. dent.): Ernennung zum Ehrenmitglied der „Deutschen Gesellschaft für Linguale Orthodontie“.
V. Patente
Rainer Schwestka-Polly (Prof. Dr. med. dent.): Verfahren zur Herstellung eines Operationssplints und Vorrichtung zur dreidimensionalen Einstellung eines Oberkiefermodells. Patentschrift DE 41 43 252 C2, München 1994; aufrechterhalten 2007.
Rainer Schwestka-Polly (Prof. Dr. med. dent.): Articulator for cast surgery and method of use. United States Patent 5,281,135, Washington 1994; aufrechterhalten 2007.
VI. Weitere Tätigkeiten in der Forschung
Rainer Schwestka-Polly (Prof. Dr. med. dent.): Gutachter für einen Antrag auf Sachbeihilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft auf dem Gebiet der Kieferorthopädie.

Die Medizinische Hochschule Hannover hat sich zur größten Transplantationsklinik in Deutschland entw...