
Prostatakrebs ist heute der häufigste bösartige Tumor bei Männern in der westlichen Welt. Auch in Deutschland wird der bösartige Tumor der Prostata inzwischen jedes Jahr am häufigsten diagnostiziert.
Simulation zur Planung einer Brachytherapie

In die Vorsteherdrüse werden dauerhaft Kleinstpartikel (4x0,5 mm), sogenannte Seeds, implantiert. Dies geschieht mit Hilfe von Hohlnadeln die unter Ultraschallkontrolle über den Beckenboden unter Narkose eingestochen werden. Die Seeds bestehen aus Jod-125, einem radioaktiven lsotop, das mit einer Halbwertszeit von 60 Tagen eine hoch dosierte Strahlung von innen auf das Organ abgibt. Seit dem Jahr 2000 wird von den Abteilungen Urologie in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Strahlentherapie der Medizinischen Hochschule Hannover eine Variante dieses Verfahrens eingesetzt, in welcher in ein und derselben Operation sowohl die notwendige Strahlendosis geplant als auch die Seeds implantiert werden. Dies ist nur möglich, weil die Prostata dank spezieller Software mehrdimensional im Ultraschall dargestellt werden kann.
Der Ultraschall macht es möglich, auf eine durch den Eingriff bedingte Lageveränderung der Prostata in der Strahlenplanung zu reagieren. Die radioaktiven Implantate können unter Ultraschallkontrolle zielgenau platziert werden. Gleichzeitig liegt die Strahlenstärke deutlich höher, als bei der Bestrahlung von außen. Die Methode ist schonend und für den Patienten körperlich weniger belastend also eine Schnittoperation bzw. Radikalentfernung der Prostata. Die Patienten werden bereits am Tage nach dem Eingriff entlassen. Ein ungewollter Urinverlust, wie er nach einer Radikalentfernung der Prostata vorkommen kann, tritt bei der SEED Methode in der Regel nicht auf.

Vorübergehende Irritationen beim Wasserlassen treten in den ersten Monaten nach der Brachytherapie bei allen Patienten auf, bilden sich aber im Verlauf des ersten Jahres nach der Behandlung nahezu bei allen Patienten wieder zurück. Es ist möglich, andere Therapieformen einzusetzen, falls der Tumor mit der Seed-lmplantation nicht kontrolliert werden kann. Sowohl die Radikalentfernung der Prostata, als auch jede Art der Bestrahlung gehen mit der Gefahr einer Störung der erektilen Funktion einher. Bei der SEED Implantation treten diese Beschwerden, wenn sie auftreten, jedoch deutlich verzögert auf. Die Kosten für die Seed-Operation als anerkannte Tumortherapie, werden von den gesetzlichen Krankenkassen voll übernommen.

Um eine gleichwertige Tumorkontrolle im Vergleich zur radikalchirurgischen Therapie zu erzielen, wird die SEED Methode aktuell nicht bei allen Patienten, sondern nur bei Patienten mit sogenanntem niedrig Risiko Prostatakarzinom eingesetzt. Die SEED Methode sollte darüber hinaus nur bei Patienten durchgeführt werden, die über eine weitestgehend ungestörte Blasenentleerung verfügen. Ist die Blasenentleerung bereits durch die Prostata beeinträchtigt besteht bei der SEED Methode die Gefahr der Verschlechterung des Harnstrahls und möglicherweise andauernden irritativen Blasenbeschwerden. Da bei der SEED Methode die Prostata im Körper verbleibt, ist der sogenannte PSA Wert nach dem Eingriff weiterhin nachweisbar, sinkt allerdings durch den Einfluss der Strahlung ab. Die Interpretation des PSA-Verlaufes ist schwierig und verlangt Erfahrung auf dem Gebiet des Prostatakarzinoms und der SEED-Therapie.

Mit der Seeds-Methode verfügt die MHH über eine moderne Variante der Brachytherapie. Wir bieten die SEED Methode als Teil eines breit gefächerten Behandlungsspektrums des Prostatakarzinoms an. Eine ausführliche Beratung über alle Formen der Therapie des Prostatakarzinoms ist in unserer interdisziplinären Tumorsprechstunde möglich.