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Ziele des Studiengangs

Modellstudiengang Medizin HannibaL

 

1. Im Modellstudiengang „Hannibal“ wird von Anfang an der Patient und seine Erkrankung in den Mittelpunkt der Ausbildung gestellt.

Das Studium beginnt nach einer Einführungswoche mit dem so genannten Propädeutikum. Hier werden an Patientenbeispielen das Herangehen an den Patienten und die Krankheit einleitend vorgestellt. Es wird versucht, die unterschiedlichen Ebenen der Erkrankung (molekulare und zelluläre Mechanismen, gestörte Funktion von Organen, die psychosozialen Auswirkungen der Krankheit sowie der praktische Umgang mit Diagnostik und Therapie) darzustellen. Das Ziel des Propädeutikums ist es den Auszubildenden verständlich zu machen, welche Rolle die verschiedenen Ausbildungsinhalte des Studiums bei der ärztlichen Berufstätigkeit spielen.

Auf Grundlage der Erfahrungen mit dem ersten Jahrgang des Modellstudiengangs wird in Zukunft das Modul „Propädeutikum“ nicht mehr als ein großer Block vor den anderen Modulen im ersten Tertial des ersten Studienjahres unterrichtet werden. Statt dessen wird es als jeweils zweiwöchiger Block jedes Tertial des ersten Studienjahres einleiten, um so deutlicher zu machen, dass die Verzahnung von naturwissenschaftlicher Theorie und klinischer Praxis kein "nettes Extra" ist, sondern die für die spätere Berufsausübung notwendigen Fertigkeiten und Haltungen prägen soll.

Auch in den folgenden Wochen, in denen die theoretischen Grundlagen der Medizin vermittelt werden, stehen die Krankheit und der Patient mit im Vordergrund. Ein Beispiel ist die Ausbildung in Anatomie, wo organbezogen Patienten und ihre Erkrankung vorgestellt werden. Die Ausbildung in Physiologie wird mit den diagnostischen Untersuchungsmethoden verknüpft, so dass die physiologischen Grundlagen der gestörten Organfunktion praktisch erfahrbar sind.

Eine enge Verzahnung zwischen den theoretischen Grundlagen und der praktischen Durchführung der Medizin erfolgt auch während der klinischen Ausbildung. Hier werden im Rahmen der einzelnen klinischen Fächer Grundlagen der Medizin wiederholt und im klinischen Kontext nochmals dargestellt. Zum Beispiel wird die Neuroanatomie im Rahmen der neurologischen Ausbildung intensiv behandelt.

 

2.Der praktische Umgang mit Patienten und die Ausbildung in Diagnostik und Therapie der klinischen Medizin stellt während des gesamten Studiums einen Schwerpunkt dar.

Es sind daher in den einzelnen Kursen die selbstständige Anamnese und Untersuchung von Patienten gegenüber dem früheren Regelstudiengang deutlich verstärkt worden. Diese Patientenbefunde werden unter Anleitung aufgearbeitet und dokumentiert. Dabei ist auch ein ausführliches Selbststudium vorgesehen. Die Patientendokumentationen während des Studiums erlauben eine fortlaufende Beurteilung der klinischen Kenntnisse bzw. noch zu bearbeitender Bereiche und sind die Grundlage für mündliche Prüfungen. Im Rahmen des Modellstudienganges wird außerdem versucht, die Famulaturen eng in den Ablauf des Studiums zu integrieren. Es werden deshalb auch die in den Famulaturen untersuchten Patienten dokumentiert und in die jeweiligen Kurse miteinbezogen. Lehrkrankenhäuser werden auch die klinischen Untersuchungskurse eingebunden.

 

3. Lehrinhalte sind eng mit den jeweiligen Prüfungen verknüpft.

Es soll damit eine Intensivierung der Ausbildung in den Vorlesungen und Seminaren erreicht werden. Das bedeutet, dass zeitnah an den Unterricht Testate erhoben und die Abschlussprüfungen der jeweiligen Kurse direkt im Anschluss an den jeweiligen Kurs durchgeführt werden. Die wochenlange „Paukerei“ auf Abschlussprüfungen wird durch eine kontinuierliche Leistungsüberprüfung ersetzt. Der Modellstudiengang in Hannover kann deshalb auch auf die Durchführung des Physikums (des 1. Teils der Ärztlichen Prüfung) verzichten. Die Leistungsnachweise für diese große Prüfung werden durch die einzelnen Fachprüfungen ersetzt.

 

4. Der Wechsel zu anderen Fakultäten ist auch während des Studiums möglich.

Bis zum Ende des 2. Jahres sind dem Physikum vergleichbare Studienleistungen erbracht worden. Auf dieser Grundlage werden Äquivalenzbescheinigungen ausgestellt und es kann ein Wechsel in die etablierten klinischen Studienabschnitte anderer Fakultäten erfolgen. Auch im klinischen Studienabschnitt werden Äquivalenzbescheinigungen ausgestellt und es ist damit ein Wechsel des Studienortes möglich.

Die MHH unterstützt im Rahmen des Modellstudienganges nachdrücklich die Ausbildung an anderen medizinischen Fakultäten des In- und Auslands. Im Rahmen des Modellstudienganges sind  Stipendien des ERASMUS-Programmes und anderer Fördereinrichtungen möglich.

 

5. Gleichberechtigt neben der intensivierten klinischen Ausbildung und dem Erlernen von praktischen Fähigkeiten steht im Modellstudiengang auch die wissenschaftliche Ausbildung.

Dies betrifft erstens die Lehrinhalte der molekularen Medizin. Nach der Vermittlung der molekularen und zellulären Grundlagen der Medizin in den ersten Studienjahren, werden diese nochmals im weiteren klinischen Studium aufgegriffen und vertieft. Damit werden neben den praktischen Fähigkeiten des Arztes das Verständnis der molekularen Mechanismen der Erkrankung geübt.

Zweitens soll im Modellstudiengang das wissenschaftliche Arbeiten gefördert werden. Die Medizinische Hochschule Hannover hat dazu eine strukturierte Doktorandenausbildung in der Humanmedizin entwickelt. Diese Doktorandenausbildung ist Teil der „Hannover Biomedical Research School“. Dies bedeutet, dass die Doktorarbeit durch zwei Dozenten intensiv betreut und durch regelmäßige Gespräche begleitet wird.

Der neue Modellstudiengang fördert damit die Ausbildung von jungen Ärztinnen und Ärzten mit hervorragenden klinischen Kenntnissen und praktischen Fähigkeiten sowie einem Verständnis der molekularen Ursachen der Erkrankung. Das Ziel ist es auf dem Campus der MHH jungen Menschen die Begeisterung für den ärztlichen Beruf und die medizinische Forschung zu vermitteln.